Groundhopping in Abidjan

Stadion in Abidjan
Stadion in Abidjan
In Afrika guckt man noch in die Zeitung, wenn man wissen will, wann Fußballspiele stattfinden und wie sie ausgegangen sind. Das Internet ist viel zu schlecht gepflegt und die meisten Websites sehen ohnehin aus, als wären sie in den 90ern programmiert wurden. So riskieren wir auch am Vorabend unseres freien Tags in Abidjan einen Blick in den Sportteil und siehe da: Das Spitzenspiel zwischen dem aktuellen Meister Africa Sports und dem Rekordmeister ASEC Mimosas steht an. Derby am Sonntag, 16 Uhr, das trifft sich ja super.

Nach einem Vormittag am Strand, geht es gegen frühen Nachmittag los Richtung Stadion, welches nach dem Staatsgründer Felix Houphouet-Boigny benannt ist. Ein sicherer Parkplatz bei einem 5-Sterne-Hotel in Stadionnähe ist schnell gefunden. Da die Präsidentenloge schon ausverkauft ist, entscheiden wir uns für die VIP-Tribüne, Kostenpunkt 5.000 CFA pro Person, etwa 7,50 €. Für die normalen Plätze gibt es 2 Kategorien – Schatten und Sonne. Das Stadion füllt sich zaghaft, für viele Menschen ist der Eintritt leider doch etwas zu teuer. Der erste Schock erfolgt gleich nach dem Ticketschalter. Unsere Karten werden nicht abgerissen sondern komplett zerrissen. In kleine Schnipsel, Souvenirchance gleich null.

Ohrenbetäubende Musik dröhnt aus den Boxen, als wir den Innenraum betreten, auf dem Platz tanzen ein paar Frauen nach eigenem Gutdünken dazu. Kaum ist die Musik aus, hört man die Anhänger von ASEC, die ein eigenes Trommelorchester mitgebracht haben. Auf der Haupttribüne ist ein Großteil der Besucher für ASEC, es scheint das FC Bayern der Elfenbeinküste zu sein.

Dann geht es los. Schon kurz nach dem Anpfiff wird klar, dass es ein recht einseitiges Spiel werden wird. ASEC drückt, Africa Sports kommt kaum aus der eigenen Hälfte. Trotz wunderbaren Rasens werden schnell die ersten Schwächen sichtbar. Bälle verspringen, Pässe landen im Nirgendwo und Torschüsse werden zu Ballspenden für die Menschen außerhalb des Stadions. Ein sehr schwaches Niveau. Daran ändert auch nichts, als nach 25 Minuten ein Mittelfeldspieler von Africa Sports vollkommen berechtigt nach grobem Foul mit Rot vom Platz gestellt wird. ASEC drückt weiter, Großchancen gibt es aber kaum. Africa Sports hat spätestens nach dem Platzverweis nur ein Ziel: Den Punkt halten.

Es wird also seitens Africa Sports alles unternommen, um den Spielfluss zu unterbrechen. Spieler begeben sich absichtlich kurz vor der Auswechselung ans andere Ende des Platzes um dann “aufgrund der tiefstehenden Sonne nichts mitbekommen zu haben”, Spieler fallen in Valderama-Manier, drehen sich mehrfach um die eigene Achse und bleiben schließlich minutenlang liegen, damit sich die Kollegen derweil ordentlich erfrischen können. Da es scheinbar keinen einheitlichen Satz Bälle gibt, wird abwechselnd mit weißen und bunten Bällen gespielt, das macht es leider auch nicht besser. Bei Windstille und 34 Grad geht es nach 45 Minuten torlos in die Pause.


Wir nutzen diese, um andere Besucher zu beobachten, da man sich aufgrund der Musik ohnehin nicht mehr unterhalten kann. Insgesamt eine entspannte Stimmung, die typischen Mackerecken sind aber auch hier vorhanden.

Nach gut 20 Minuten Pause geht es weiter. Es passiert allerdings noch weniger als in der ersten Halbzeit. Jeweils ein Torschuss pro Seite, keine Tore. Wir vermuten schon Absprache, vor allem als der Torhüter von Africa Sports nach jedem Torschussversuch am Boden liegen bleibt und wertvolle Sekunden auf der Uhr verstreichen. Gegenspieler und Ball sind natürlich jedes Mal meilenweit entfernt. So sind es letztendlich die 5 Ärzte mit der Trage, die in der zweiten Halbzeit den weitesten Weg zurücklegen. Kaum zurück am Platz, fällt wieder irgendwo einer einfach um. Alles zieht sich unglaublich und als wir den Schlusspfiff herbeisehnen, weil nach unserer Uhr schon mindestens 96 Minuten gespielt wurde, werden 5 Minuten Nachspielzeit angezeigt. Ein Tor wird uns leider vergönnt, trotzdem ein tollen Erlebnis.
Vom Stadion machen wir uns auf Richtung Golfhotel, wo wir zum Empfang des Tourismusministers geladen sind. Er kann selbst leider nicht teilnehmen, schickt also geschätzte 12 Vertreter, deren Funktion und Position uns letztendlich nicht ganz klar wird. Wir sehen einen kurzen Film über die Elfenbeinküste und werden anschließend verköstigt. Der eigentlich freie Tag war wieder prall gefüllt mit Erlebnissen.