In Kamerun leben fast 300 Ethnien, die Hauptstadt ist Yaoundé. Die Gründe für die vielen Volksgruppen liegen wie so häufig in der Geschichte. Im 19. Jahrhundert ließen sich die ersten deutschen Unternehmen an der Küste des heutigen Kameruns nieder und nahmen das Land nach und nach in Beschlag indem sie mit unterschiedlichen regionalen Herrschern so genannte Schutzverträge abschlossen. Bei der Kongokonferenz 1884, bei der Afrika zwischen den Kolonialmächten aufgeteilt wurde, wurde Kamerun offiziell Gebiet des Deutschen Reiches, obwohl bis zu diesem Zeitpunkt kaum Deutsche in dem Gebiet zu finden waren. Deshalb zog sich die faktische Besiedelung auch bis zum Ersten Weltkrieg hin.
Nach dessen Ende wurde Kamerun 1919 laut Vertrag von Versailles in Britisch-Kamerun und Französisch-Kamerun aufgeteilt. Im französischen Südteil wurde die Industrialisierung und der Export von Kaffee und Kakao angetrieben, was zu einem gewissen Wohlstand in dem Landesteil führte. Im nördlichen Teil hatten die Briten kaum Interesse an einer wirtschaftlichen Ausbeutung des Landes und sie überließen das Land mehr oder wenig einer Eigenregie und zogen sich über die Jahre immer mehr zurück. 1960 lief das UN-Mandat aus und die Bürger durften über ihre Zukunft abstimmen. Französisch-Kamerun wurde unabhängig und nannte sich Ost-Kamerun, das britische Mandatsgebiet wurde zu einem Teil Nigeria angeschlossen, zum anderen Teil zusammen mit Ost-Kamerun zum Staate Kamerun. In Kamerun herrschen daher seit dieser Zeit 2 Amtssprachen (ca. 80% Französisch und ca. 20% Englisch) und es gibt zwei getrennte Verwaltungssysteme, was nicht immer Problemfreiheit bedeutet.
Dennoch hat Kamerun für afrikanische Verhältnisse zum heutigen Zeitpunkt eine hohe politische und soziale Stabilität. Die Einschulungsquote beträgt 79% und ist für afrikanische Verhältnisse hoch, es gibt staatliche Universitäten und auch in Punkto Lebenserwartung, Bruttoinlandsprodukt und Außenhandel nimmt das Land die vorderen Plätze ein. Präsident Paul Biya ist bereits seit 1982 im Amt und wurde 2004 zuletzt wieder gewählt.
Die Nationalmannschaft von Kamerun ist hinter Afrika-Cup-Gewinner Ägypten laut aktueller FIFA-Weltrangliste das zweitbeste afrikanische Team. Die "Lions Indomptables" ("unbändige Löwen") sind 2010 bereits zum 6. Mal seit 1982 für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. In Gruppe E treffen sie auf die Niederlande, Dänemark und Japan und haben dabei große Chancen zum zweiten Mal über die Vorrunde hinaus zu kommen. Dies gelang bisher erst 1990 in Italien. Der mit seinen Eckfahnentänzen bekannt gewordene Roger Milla schoss in dem Turnier 4 Tore für sein Team und es damit nahezu alleine ins Viertelfinale, obwohl er sich vor dem Turnier mit seinen 38 Jahren bereits zur Ruhe gesetzt hatte. Kamerun zog nach 2 Siegen und einer Niederlage im bedeutungslos gewordenen letzten Gruppenspiel gegen die Sowjetunion als Gruppensieger ins Achtelfinale ein und besiegte dort Kolumbien mit 2-1 nach Verlängerung. Im Viertelfinale war zwar Endstation (2-3 gegen England), dennoch ist Kamerun zusammen mit Senegal (2002), die einzige afrikanische Mannschaft, der jemals ein Viertelfinaleinzug bei einer WM gelang. Roger Milla, der 2006 vom afrikanischen Verband zum besten afrikanischen Spieler der letzten 50 Jahre gewählt wurde, war auch 4 Jahre später noch im Kader Kameruns und wurde mit seinem Treffer beim 1-6 gegen Russland in der Vorrunde im Alter von 42 Jahren zum ältesten Torschützen bei einer WM-Endrunde. Kamerun schied dennoch als Gruppenletzter aus. Aufgrund eines Fehlers eines Standesbeamten ist Milla übrigens unter diesem Namen bekannt geworden, obwohl er eigentlich "Miller" geschrieben wird.
Auch beim Afrika-Cup gehört das Team zu den Mitfavoriten. Seit 1998 gelang Kamerun immer der Sprung unter die besten 8, insgesamt konnte der Cup bereits 4x gewonnen werden (1984, 1988, 2000, 2002). Angstgegner der Kameruner scheint Ägypten zu sein. 2008 verlor man das Finale des Afrika-Cups gegen die Nordafrikaner (0-1) und auch 2010 musste man sich dem späteren Sieger geschlagen geben (1-3 im Viertelfinale). Bei der Qualifikation zur WM 2006 in Deutschland reichte im letzten Spiel wiederum gegen Ägypten ein Sieg zur Endrundenteilnahme, am Ende stand aber nur ein 1-1 und die Elfenbeinküste fuhr nach Deutschland. Daraufhin wurde das Mailänder Haus von Pierre Womé, der in dem Spiel einen Elfmeter in der Nachspielzeit verschossen hatte, verwüstet und zwang ihn zum Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Das Team, welches schon von Henri Michel, Winfried Schäfer oder Otto Pfister trainiert wurde, und bei der WM 2002 Vorrundengegner von Deutschland war (0-2), ist aber ohnehin gespickt mit Stars: Allen voran der Rekordtorschütze Samuel Eto'o von Inter Mailand und der Rekordnationalspieler Rigobert Song (spielte einst beim 1.FC Köln). In der Bundesliga spielen neben Womé noch Mohamadou Idrissou (Freiburg), Joël Epalle (Bochum) und der junge Joel Matip (Schalke). Auch Kaiserslauterns Mittelfeldmann Georges Mandjeck ist aktueller Nationalspieler.Besondere Aufmerksamkeit erregte die Mannschaft mit ihrer Bekleidung bei der Weltmeisterschaft 2002. In Japan und Südkorea wollten die Löwen mit einem ärmellosen Dress antreten, das bereits im Afrika-Cup des gleichen Jahres getragen wurde. Die FIFA verbot dies allerdings. Ebenfalls verboten wurde der Einteiler, mit dem das Team 2004 zum Afrika-Cup antreten wollte.
Links:
Offizielle Website der Regierung (englisch)
Fußballverband von Kamerun (französisch)
Botschaft von Kamerun in Deutschland (französisch)
Videos:
Kamerun zieht bei der WM 1990 ins Viertelfinale ein:
Reportage über ein Fest zu Ehren eines regionalen Königs:





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